Donnas Schreibprojekt Mai
Mai 29, 2010 Geschichten 14 CommentsMein Beitrag zu Donnas Schreibprojekt Mai 2010
Perfekt! Alles lief wie am Schnürchen, Sunnyboy0919 lehnte sich zufrieden lächelnd zurück. Sie kannten sich nun schon so lange, kannten sich gut, sehr gut, denn es gab fast nichts mehr, was sie sich noch nicht erzählt, dem anderen noch nicht anvertraut hatten. Trotzdem hatten sie sich in all den Monaten noch nicht ein einziges Mal gesehen, nicht wirklich gesehen.
In seiner Vorstellung sah er sie sehr oft, da war sie klein und zierlich, hatte blonde lange Haare und grüne Augen. So hatte sie sich damals, ganz zu Beginn beschrieben. Sie hatte nicht geschrieben, dass sie schön wäre, aber in seiner Vorstellung war sie das. Klein, zierlich, blond, grüne Augen, das musste einfach schön sein, da war er sich ganz sicher.
Natürlich hatte auch sie ihn gefragt, wie sie sich ihn denn vorstellen solle. Ehrlich hatte er ihre Frage beantwortet, es brachte doch nichts, wenn sie sich ein falsches Bild von ihm machte. Er hatte ihr überhaupt all seine äusserlichen und innerlichen “Fehler” gebeichtet. So würde sie nicht überrascht sein, wenn sie sah, dass er kein Bild von einem Mann war. Sie wusste, dass seine Haare langsam weniger wurden, der Bauchumfang dafür etwas zugelegt hatte während der letzten Jahre. Sie wusste auch, dass er schüchtern war, nie wusste wie er ein Gespräch anfangen sollte und schon gar nicht wenn sein gegenüber weiblich war. Sie wusste, dass er manchmal stotterte, dass ihm manchmal die Worte nicht über die Lippen kamen. Sie wusste alles und mochte ihn trotzdem. Eine ganz erstaunliche Frau.
Sunnyboy0919 stand auf, es wurde langsam Zeit, dass er sich auf den Weg machte, denn heute, heute würde er sie endlich kennen lernen, richtig kennen lernen. Sie hatten sich verabredet, unten beim Bach. Er stellte sich dieses Treffen so romantisch vor, hatte sich den ganzen Nachmittag vor dem Spiegel aufgehalten, was wirklich sehr untypisch für ihn war. Er hatte auch viel Zeit in der Küche verbracht, hatte den Picknick Korb mit den leckersten Delikatessen gefült, hatte die Pastete sogar selber gemacht.
Er war verliebt, klar, schon so lange. Er war aufgeregt aber nicht nervös. Er stellte sich vor, wie er unten am Bach auf sie warten würde, er würde ja schliesslich vor ihr schon da sein. Schon unzählige Male hatte er in Gedanken gesehen wie sie auf ihn zu rennen wird, wie sie in seine Arme fliegen wird. Er konnte es fast schon spüren, konnte spüren wie sich ihre Arme um seinen Hals schlangen.
Viel zu früh war er am Bach, die Decke lag ausgebreitet auf dem Boden, der Picknick Korb stand bereit. Immer wieder schaute er in die Richtung aus der sie kommen musste. Es ging unglaublich schnell, von hinten schlangen sich zwei kräftige Arme um ihn, nicht sanft und zärtlich wie in seiner Vorstellung. Nur kurz konnte er etwas kaltes scharfes an seiner Kehle spüren, dann verschwand alles hinter einem schwarzen Vorhang, ein letzter Gedanke an seine grosse Liebe, die er nie kennen lernen würde.

























