Von der grossen Hafenstadt Antofagasta, reisten wir weiter zur rund 500 km entfernt gelegenen kleineren Hafenstadt Caldera …
Viel sieht man während der Fahrt nicht. Wüste, Sand, Einsamkeit … ab und zu mal eine Tankstelle, und wieder Wüste, Sand, Einsamkeit …

Zugegeben, dass ich die Strasse fast für mich alleine hatte, kam mir natürlich schon gelegen. Ohne Autos hinten und vorne, ohne Gegenverkehr werde sogar ich manchmal richtig mutig und drück das Gaspedal richtig durch …
Klar, ganz alleine ist man natürlich nicht, LKWs sind unterwegs und … die Eisenbahn

mit etwas Glück kommt man genau dann zum Bahnübergang, wenn einer der wenigen Züge anrauscht. Ist wohl fast wie ein Sechser im Lotto … wobei ich sagen muss, dieser wäre mir schon lieber gewesen.
Genaugenommen fährt man ja eigentlich am Meer entlang, manchmal kann man sogar einen Blick drauf werfen und selten, sehr selten findet man einen Badestrand, irgendwo mitten im Nirgendwo …

Wirklich schön gemacht und vermutlich im Sommer von Durchreisenden auch gerne besucht …
Rund 110 km vor Caldera liegt der Parque Nacional Pan de Azucar. Der an der Küste gelegene Nationalpark umfasst rund 44.000 Hektar. Beim Informationsbüro hat man uns kurzerhand einfach den Schlüssel in die Hand gedrückt … und so konnten wir den Park ohne Begleitung besichtigen …

Die Strasse führte uns nicht nur rein in der Park, sondern auch rauf auf den Hügel (die höchste Stelle soll auf 900 Meter über Meer liegen) …


Erstaunlich was hier alles wächst und lebt … Es soll hier bis zu zwanzig verschiedene Kakteenarten geben …

aber die wollt ihr jetzt vermutlich nicht alle sehen. Und um ehrlich zu sein, ich komm auch nicht auf zwanzig verschiedene Arten auf meinen Bildern … mir scheint es sind doch immer wieder die gleichen … hätte ich beim fotografieren mal besser drauf achten sollen …

Auch Tiere sollen hier leben, Füchse und Guanacos, also Lamas, die haben wir aber nicht gesehen … vermutlich haben sie mich gehört und sind schnell verschwunden. Auf der zum Nationalpark gehörenden Insel Pan de Azucar sollen auch Pelikane, Kormorane, Robben und Humboldtpinguine leben. Die Insel darf aber nicht betreten werden, was absolut richtig ist.
Nach weiteren rund 100 km Fahrt haben wir Caldera erreicht …


Eine kleine ruhige Hafenstadt … allerdings stellte sich dann raus, hier kann man viel mehr erleben, als dass man eigentlich erwarten würde

Die Hosteria war okay …

der Garten schön …

die Aussicht … naja

zumindest hatten wir Hafensicht.
Dass in einer Hafenstadt vorallem Fisch auf dem Speiseplan steht, wen wunderts? Dass Frau bestellt ohne die geringste Ahnung zu haben was sie bestellt, wen wunderts? Ja ich hab “Erizo” bestellt … ich meine, hört sich doch gut an, oder? Die kleine Hafenkneipe war gemütlich, die nette Frau die uns begrüsste auch … naja man muss schon gemütlich sein, wenn man für alles zuständig ist und trotzdem nicht die Geduld (mit mir) verliert. Sie hatte mich vermutlich, ich bin mir nicht sicher, noch gewarnt als sie meine Bestellung annahm … hat mir aber dann den rohen Seeigel mit einem unschuldigen Lächeln serviert. Meine Güte, roher Seeigel … ich bin wirklich nicht heikel, aber ich konnte mich nicht überwinden …

und als ob der Seeigel für diesen Tag noch nicht “Schreck” genug gewesen wäre … hab ich in diesem Bett auch noch einen meiner schlimmsten Schreckmomente erlebt.
Nein soviel Wein hatte ich doch gar nicht getrunken und trotzdem … die Welt um mich schien sich plötzlich zu drehen, bebte, schaukelte … es krachte und knarrte überall. Erdbeben? Nein, sowas kennt Frau noch nicht, und schon gar nicht so heftig. Und was macht Frau? Der ist das nun echt egal wie spät es schon ist, und dass sie vermutlich nicht mehr ganz “korrekt” gekleidet ist. Frau weiss nur, bei Erdbeben muss man ins Freie, so schnell als möglich … also rennt Frau los. Am Empfang steht der Chef des Hotels, oder was immer der gute Mann auch war … und was macht Mann? … wow der lächelt. Der hat vielleicht Nerven, findet Frau … und fragt aufgeregt und in schlechtestem spanisch, ob er denn grad eben das Erdbeben nicht bemerkt hätte …
Doch klar hat er. Allerdings erklärt er dann, dass dieses Erdbeben zwar heftig war, aber absolut keine Seltenheit hier in Caldera. Toll, cool … naja zumindest hatte Mann was zu lachen … und Frau auch, schliesslich muss man auch über sich selber lachen können, oder?
Und ausserdem, am nächsten Tag sind wir ja abgereist … nein, wiedersehen werden wir uns bestimmt nicht.