Donnas Schreibprojekt Februar
Februar 20, 2010 1:00 pm GeschichtenMein Beitrag zu Donnas Schreibprojekt Februar 2010
Sie wusste nicht, wie sie in dieses Zimmer gekommen war, sie schaute sich um, sie wusste noch nicht mal wo sie war, nichts aber auch gar nichts was sie sah weckte irgendwelche Erinnerungen. Sie schaute an sich runter, meine Güte, sie war ja noch nicht mal richtig angezogen, trug nur ihren Schlafanzug und nicht etwa den Schönsten, nein dieses alte Teil welches seine besten Zeiten längst hinter sich gelassen hatte. Sie versuchte sich krampfhaft zu erinnern, wie konnte man nur mitten in der Nacht im weitaus schäbigsten Schlafanzug in einem fremden Zimmer aufwachen?
Sie sah sich etwas genauer um, sehr viel konnte sie nicht erkennen, das einzige Licht kam von zwei Kerzen, die gerade so aussahen als würden sie es nicht mehr lange machen. Vermutlich hatten sie den gleichen Jahrgang wie ihr Schlafanzug. Sie ging zum Fenster, vielleicht würde ein Blick nach draussen ihre Erinnerungen wecken. Die Enttäuschung war gross, nicht nur dass es draussen stockdunkel war, es schien ihr dass sie mitten im Nirgendwo gelandet war. Vielleicht war da drüben ein Wald, ja das konnte sein, aber sonst, sonst war da rein gar nichts. Leere nichts als Leere. Enttäuscht wandte sie sich vom Fenster weg, irgendwas musste sie doch tun, sie ging zur Tür, wollte sie öffnen und hoffte inständig, dass sie nur klemmen möge, dass ihre schlimmsten Befürchtungen sie könnte eingesperrt sein, sich nicht bewahrheiten würden. Aber so kräftig sie auch zog, die Tür bewegte sich kein bisschen. Panik stieg in ihr hoch, was sollte sie tun, was konnte sie tun? Ein Rascheln schreckte sie aus ihren Überlegungen, ruckartig drehte sie den Kopf in Richtung dieses eigenartigen Geräusches. Dick und fett sass sie da, starrte sie aus ihren runden Augen an, unbeweglich und doch als ob sie jederzeit zum Sprung ansetzen würde. Sie machte einen Schritt zurück, drückte sich ganz nah an die Tür, drückte mit ihrem ganzen Gewicht dagegen. Trotz der Kälte die sie gerade eben noch hatte zittern lassen, spürte sie nun wie ihr der Schweiss aus allen Poren drang.
Sie konnte nicht mal mehr versuchen aus dem Fenster zu klettern. Dick und fett sass sie da und versperrte ihr diesen letzten Fluchtweg. Warum hatte sie nicht vorhin schon, vorhin als noch Zeit war, das Fenster geöffnet, war rausgeklettert und so schnell wie möglich von diesem mysteriösen Ort geflohen? Warum hatte sie es nicht getan, als sie es noch hätte tun können? Bewegungslos stand sie da, liess sie nicht aus den Augen. Bereit sich jederzeit durch einen schnellen Sprung in vorübergehende Sicherheit zu bringen, jeder Muskel war angespannt, ihr Herz raste. Zum ersten Mal war sie froh, dass sie im Schlafanzug hier aufgewacht war, einengende Kleidung hätten sie behindert, hätten ihr das Atmen vermutlich noch schwerer gemacht. Hinter sich hörte sie, wie sich der Schlüssel im Schloss drehte, knarrend öffnete sich die Tür einen Spalt breit. Sie machte einen Schritt von der Tür weg, nicht wissend von welcher Seite ihr die grössere Gefahr drohte.
“Drei - zwei - eins - sie können die Augen jetzt wieder öffnen”. Freundlich lächelnd sah er sie an, als sie die Augen öffnete und sich im freundlichen, hellen Raum umsah. Er lächelte fast schon spitzbübisch als er sagte: “Ich glaube wir kennen jetzt den Auslöser all ihrer Ängste”






















Eva :
Date: Februar 20, 2010 @ 1:12 pm
Wow, das ist ja geil, Brigitte!
Gefällt mir sehr, danke!
Follygirl :
Date: Februar 20, 2010 @ 1:16 pm
Spannend, tolle Geschichte! Das Ende ist wirklich gelungen.
Liebe Grüße, Petra
Himmelhoch :
Date: Februar 20, 2010 @ 1:44 pm
Hallo und guten Tag zum ersten Mal lesen hier!
Gelacht habe ich ja herzlich bei dem gleichen Jahrgang von Schlafanzug und Kerzen.
Am Ende war es dann ernster als gedacht - denn wer erlebt schon gern solch grauenhafte Situationen, um einer Phobie auf den Grund zu kommen.
Schön zu lesen! Danke
Quer :
Date: Februar 20, 2010 @ 1:57 pm
Ach, man ist ja so froh, dass der Spuk ein Ende hat! Und das vielleicht für immer?!
Die Angstzustände sind sehr realistisch und spannend geschildert!
Liebe Grüsse,
Brigitte
Chinomso :
Date: Februar 20, 2010 @ 2:02 pm
Oh! Ein überraschendes, offenes Ende.
Was war denn nun da?
Ich habe so einige Ideen.
Aber das ist ja das Schöne an Geschichten mit offenem Ende. Man kann sie weiter spinnen oder wenigstens ein bisschen drüber nachdenken.
Kommt die nächste Geschichte dann schon aus der Schweiz?
Donna :
Date: Februar 20, 2010 @ 3:16 pm
Spannung bis zum Schluss!!! Klasse! Eine gelungene Geschichte!
Und dann die Auflösung: Eine Hypnosebehandlung oder eine Rückführung.
Liebe Grüße zu dir, Brigitte - halte den Kopf oben, was auch kommt.
Donna
waldviertelleben :
Date: Februar 20, 2010 @ 4:00 pm
du hast eine spannende geschichte geschrieben - gefällt mir sehr.
alles liebe
ingrid
Geheimrat :
Date: Februar 20, 2010 @ 5:40 pm
Es MUSS eine Katze gewesen sein! Basta
Sonst denkt man einfach zu lange darüber nach …
Herzliche Grüße!
murmeltiertag :
Date: Februar 20, 2010 @ 6:18 pm
Eine Fantasiereise zur eigenen Angst! Toll. Hilfreich ist es auch, die erlebte Geschcihte gestalterisch umzusetzen. Dann bekommt man eine noch größere Distanz dazu und kann den Angstmoment aktualisieren.
gori :
Date: Februar 20, 2010 @ 8:24 pm
Spannend, was Dir zum Anfangssatz eingefallen ist. Hat mir gut gefallen, Deine Geschichte.
Liebe Grüße,
gori
bigi :
Date: Februar 20, 2010 @ 10:59 pm
Spooky - und ich denke gerne noch ein wenig länger darüber nach und darauf herum - so muss eine gute Geschichte sein!
Liebe Grüße
bigi
Sterntalerchen :
Date: Februar 20, 2010 @ 11:39 pm
wow…
das gefällt mir ausgesprochen gut
tolle Idee zu diesem vorgegebenen Anfangssatz
perfekt umgesetzt
gratulation
Sterntalerchen
Jorge D.R. :
Date: Februar 21, 2010 @ 8:44 am
Ja, Die Angst ist so ein Thema.
Gut geschrieben, liebe Brigitte!
Herzlich
Jorge D.R.
april :
Date: Februar 21, 2010 @ 11:51 am
Sehr reizvoll und anregend, wenn man überlegt, was das wohl war. Eine Ratte? …? Eine super Idee für diesen Satzanfang.
Schriftrolle :
Date: Februar 21, 2010 @ 12:40 pm
Sehr spannend - gefällt mir gut. Besonders mit dem überraschenden Ende!
Liebe Grüße,
Patricia
Brigitte :
Date: Februar 21, 2010 @ 12:47 pm
Vielen Dank für eure Kommentare.
Man freut sich natürlich immer sehr wenn die Geschichte gefällt.
Nein, die nächste Geschichte entsteht noch auf La Palma.
Und ja April, genau die hatte ich vor Augen
Liebe Grüsse
Brigitte
Elke :
Date: Februar 21, 2010 @ 4:49 pm
Der Himmel bewahre mich davor, dass mich eine Hypnose in einen solchen Alptraum führt (ähnliches träume ich auch schon von alleine). Aber deine Schilderung ist ausgesprochen packend, sehr spannend. Seltsamerweise hatte ich letzte Nacht seit langem mal wieder einen Alptraum, der ähnliche Gefühle auslöste.
Lieben Gruß
Elke
spini :
Date: Februar 22, 2010 @ 3:59 am
eine ratte?
da stehn mir die haare auch ohne hypnose zu berge.
das ende kam völlig überraschend.
gute geschichte brigitte.
komm gut in die woche, lieben gruß
spini
Ocean :
Date: Februar 22, 2010 @ 9:21 am
Guten Morgen, liebe Brigitte,
mit angehaltenem Atem gelesen .. absolut super geschrieben, deine Geschichte!! diese Ängste kann man förmlich spüren beim Lesen. Und interessant, was man als Leser dann selbst für Assoziationen hat - ich hab sofort eine riesige haarige Spinne vor mir gesehen - obwohl ich eigentlich nicht SO Angst vor Spinnen habe, oder doch? *grübel*
Ganz liebe Grüsse an dich
Ocean
Katinka :
Date: Februar 22, 2010 @ 11:02 am
Eine tolle Geschichte, total spannend!