Donnas Schreibprojekt Dezember
Dezember 12, 2009 1:00 pm GeschichtenMein Beitrag zu Donnas Schreibprojekt Dezember 2009
Weihnachten stand vor der Tür und wieder einmal hatte es diese endlosen Diskussionen gegeben ob man es denn dieses Jahr endlich mal wagen sollte, wagen könnte, Otto bei den Einladungen einfach zu übergehen. Henriette und Elfriede waren extra vorbeigekommen, um dieses heikle Thema mit Rosa zu besprechen. Wie jedes Jahr, war auch diesmal einzig Rosa strikte dagegen. Man könne den alten Mann doch an Weihnachten nicht einfach seinem Schicksal überlassen, könne ihn doch nicht ganz alleine Weihnachten feiern lassen, wie einsam sich Otto da fühlen müsse. Rosa hatte ein grosses Herz, war mitfühlend und mit Otto schien sie ganz besonders Mitleid zu haben. Auch wenn spätestens an Weihnachten nicht mehr zu übersehen sein würde, auch Rosa bedauerte irgendwie ihren Einwand. Rosa litt ganz besonders unter diesen ungemütlichen, nicht wirklich festlichen Weihnachtstagen.
Henriette, die jüngste der drei Schwestern, würde schon seit vielen Jahren liebend gerne auf seine Anwesenheit, überhaupt und ganz besonders an Weihnachten, verzichten. Elfriede, die sich sonst etwas hin und her gerissen fühlte, stand diesmal voll und ganz hinter Henriette.
Einmal nur Weihnachten ohne Kritik an jedem und allem. Der Baum war zu gross, war er aber nicht zu gross, dann ganz sicher zu klein, ein mickriges Bäumchen, ja so hatte er den von Rosa so liebevoll geschmückten Weihnachtsbaum bezeichnet. Die Kugeln waren zu bunt, oder zu farblos. Das Weihnachtsessen, von Rosa immer mit viel Liebe und unter Mühen zubereitet, traf nie seinen Geschmack. War es nicht zu heiss, war es zu kalt. War es nicht zu scharf, dann ganz sicher zu fad. War es nicht zuviel, war es zuwenig. Und ganz bestimmt war es nicht das, was er heute, ja grad heute gerne gegessen hätte. Henriette und Elfriede schafften es nicht, darüber hinwegzuhören. Jede Weihnachten endete mit bösen Worten, mit Vorwürfen und Beleidigungen.
Die ersten paar Jahre nach dem Tod seiner Frau, hatten die drei Schwestern sich noch eingeredet, es würde schon wieder besser werden, er würde bestimmt wieder zufriedener werden, irgendwann würde er sich damit abfinden. Martha war vor über zwanzig Jahren gestorben, und Otto hatte ihren frühen Tod nicht irgendwann akzeptiert, er wurde von Jahr zu Jahr unzufriedener.
Henriette nannte ihn in ihrer direkten Art nur noch den bösen alten Mann. Ganz Unrecht hatte sie damit nicht, so zeigte er sich der Welt. Henriette sah was sie sah, wollte auch gar nichts anderes sehen. Rosa aber sah mehr, sie sah Otto wie er war, nicht böse nur verbittert. Sie versuchte immer wieder, dies ihren Schwestern zu erklären. Otto hatte kein einfaches Leben gehabt, er hatte immer gekämpft und oft verloren. Als er auch noch seine geliebte Martha verloren hatte, da hatte er aufgegeben, aufgegeben zu kämpfen und aufgegeben zu leben.
Henriette und Elfriede, beide vom Leben verwöhnt, wollten auch diesmal nichts dergleichen hören. Sie versuchten Rosa zu drohen, würde Otto diese Weihnachten wieder eingeladen werden, dann müsse Rosa halt auf die Gesellschaft ihrer Schwestern verzichten.
Es wurde die seit vielen Jahren erste gemütliche, fast schon fröhliche, Weihnachten für Rosa und Otto.






















april :
Date: Dezember 12, 2009 @ 1:36 pm
Was für ein überraschendes Ende. So kann sich eine Sache drehen und ganz anders aussehen am Ende.
Donna :
Date: Dezember 12, 2009 @ 1:39 pm
Ach Brigitte, wie schön das endet für Rosa und Otto!
Da hast du eine zauberhafte Geschichte geschrieben. Vielen Dank.
Ein schönes und harmonisches Adventswochenende wünsche ich dir.
LG - Donna
Chinomso :
Date: Dezember 12, 2009 @ 2:00 pm
Ein überraschendes Ende. Und was haben die Schwestern gemacht? So ganz ohne den Mecker-Otto? Ist ja auch langweilig, oder?
Schreibst du das auch noch für uns auf?
Quer :
Date: Dezember 12, 2009 @ 2:29 pm
Eine herrliche Geschichte ist das, Brigitte, und die überraschende Wende am Schluss ganz nach meinem Geschmck!
Liebe Wochenendgrüsse,
Quer
Follygirl :
Date: Dezember 12, 2009 @ 3:53 pm
Interessant geschrieben! So was von “Horror”…das sind die Gründe, warum ich nie mit der Famile feiern würde.
Tolle Idee…oder ist etwas “wahres” mit dabei?
Liebe Grüße, Petra
Tanja`s Allerlei :
Date: Dezember 12, 2009 @ 5:06 pm
Was für eine tolle Geschichte :o)
Jouir la vie :
Date: Dezember 12, 2009 @ 5:52 pm
Ja, es ist schon sehr leicht, die eigene Verbitterung, das eigene Böse an andere zu übertragen, es ihnen anzulasten, um vom eigentlichen Übel abzulenken, nämlich von sich selbst…
Sei lieb gegrüßt
Kvelli
Jorge D.R. :
Date: Dezember 12, 2009 @ 9:07 pm
Eine nette Geschichte mit einem tollen Ende.
Liebe Grüße
Jorge D.R.
Diane :
Date: Dezember 13, 2009 @ 2:46 am
sehr weise diese Rosa! Daran sollten sich andere eine grosse Scheibe abschneiden! Die Mutter hat die Zwei wohl zu sehr verwöhnt zu Lebzeiten, aber der vergeht die beiden auch noch, wenn das Schicksal mal zuschlägt spätestens im Alter
spini :
Date: Dezember 13, 2009 @ 2:39 pm
na endlch ging nach vielen jahren ottos taktik auf. *gg*
lieben gruß spini
ps: läd ja gerade zum nachahmen ein *fg*
waldviertelleben :
Date: Dezember 14, 2009 @ 7:39 am
so kanns sein, wenn man mal etwas anders macht. eine schöne geschichte.
lg
ingrid
Katinka :
Date: Dezember 14, 2009 @ 12:36 pm
Eine tolle Geschichte ist das, wirklich gut geschrieben und ein schöööönes Ende